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Stadt Aulendorf

Sie vergonnten unseren Vorfahren, EIN TAG VOR MITWOCHEN AN FASNACHTEN EIN FASNACHTSSPILL ZU TREIBEN. Dass dieses Spiel gottesfürchtig sein musste und dass mit dem Tod kein Scherz getrieben werden durfte steht auch in diesem Dekret. Das Wichtigste für uns Narren ist aber der Satz, dass geredet und gehandelt werden durfte, ALS SEIN DIE LEHMAN GANZ UNTER SICH IN MATERIA UND GEBREUCH. Die Redefreiheit der Narren war festgehalten und dieses Dekret wird in Aulendorf auch noch heute - nach über 300 Jahren! - befolgt.

Fasnetsmaske "Tschore & Rätsch"
Damals wie heute waren ,,Rätschen" (beiderlei Geschlechts!) glücklich, einen Tag zu haben, an dem sie ungestraft all das an den Mann/die Frau bringen konnten, was man das übrige Jahr über besser nicht sagte. Die Grundlagen für die Entwicklung unseres Maskenpaares ,,Tschore" und Rätsch waren gelegt. Unsere Aulendorfer ,,Rätsch" ist ein spitzzüngiges (altes?) Weib, das jahraus jahrein bekannte und geheime Begebenheiten sammelt, in ihrem Buch notiert und an der Fasnet austratscht. Besonders gerne hängt sie natürlich Dinge an die große Glocke, über die der Betroffene am liebsten hätten Gras wachsen lassen.

Eine große Hilfe bei diesem löblichen Tun ist der Begleiter unserer ,,Rätsch", der ,,Tschore". Er sagt seiner ,,Rätsch" noch ein, sollte diese tatsächlich mal was vergessen. Er sagt auch Dinge, die sich nicht mal die "Rätsch" getraut. Schlichtet aber auch treuherzig, wenn seine "Rätsch" zu weit gegangen ist. Eines beherzigen beide: Die Rede ist nur frei, wenn sie nicht verletzt oder beleidigt.

Hierher gehört jetzt auch die Erklärung des Aulendorfer Narrenrufs: "ha, ha, ha, jo was saischt au!" Man braucht sich doch nur vorzustellen, wie "Tschore" oder "Rätsch" eine fast unglaubliche Geschichte erzählen. Der Zuhörer lacht und sagt dann ganz ungläubig "jo was saischt au!"

Fasnetsfigur "Eckhexe"
Im Oberschwäbischen weit verbreitet ist die Narrenfigur der Hexe. Unsere Aulendorfer ,,Eckhexe" hat ihren Namen von der ältesten Wohnstraße, der Eckstraße. Die ,,Eckhexen" haben die Aufgabe, neben dem Winter auch alles Störende, allen Hass, während der Fasnet und möglichst auch darüber hinaus, hinwegzufegen. Der Auftrag, den sie vom Burggrafen bei der Maskenbeschwörung erhalten, lautet ja auch: "Fegt wie die Windsbraut durch die Lüfte, hin und her, her und hin. Fegt weg den kalten Winter, fegt weg all trüben Sinn!" Farbenfroh gekleidet, mit einem Kopftuch das mit den Tierkreiszeichen bestickt ist, gehört unsere ,,Eckhexe" weitum wohl zu den schönsten Exemplaren der Gattung ,,Hexe".

Fasnetsfigur "Schörkele" und "Fetzle"
Als nach dem letzten Krieg wieder etwas Lebensfreude aufkam, sich Hoffnung auf eine bessere Zukunft zeigte, da entstanden in Aulendorf die beiden Fasnetsfiguren ,,Fetzle" und ,,Schnörkele". Sie sind nicht nur Symbole des Frühlings, sondern auch Beweis eines ungebrochenen Lebenswillens unserer Eltern und Großeltern. Unser ,,Fetzle" hat einen Namen mit doppelter Bedeutung. Ein Fetzle ist ein kleiner Fetz, ein äußerst gewitzter Spitzbube. Fetzle heißen aber auch die vielen kleinen, farbigen Stoffstückchen, die auf das Kostüm genäht sind. Das ,,Fetzle" ist also eine echte Fasnetsfigur. Bescheiden von der Aufmachung her, man verwendet Fetzle, Stoffstücke, die keinen Wert mehr haben und Sackleinwand, vom Wesen her ein durchtriebener Spitzbube, dem der Schalk im Nacken sitzt und dem man trotz allem Unfug nicht böse sein kann.

http://tourismus.aulendorf.de//kultur-erleben/kultur-veranstaltungen/fasnet-brauchtum